CD Rezension / Ö1-Highlights,
2.4.2004
Songs by Zemlinsky
Neu-Einspielung mit Hermine Haselböck
"Meine Zeit kommt nach meinem Tod", hat Alexander Zemlinsky
einmal zu seiner Frau Louise gesagt. Zu Lebzeiten war der Komponist bei weitem
nicht so anerkannt, wie er es vielleicht verdient hätte.
Und auch nach
seinem Tod hat es lange gedauert, bis man den Wert seiner Musik schätzen lernte.
Die 107 Lieder gehören neben den acht Opern und den vier Streichquartetten zur
zentralen Gattung im Gesamtwerk Zemlinskys.
Eine Marktlücke gefüllt
Drei der auf der CD
versammelten Liedgruppen stammen aus dem 1995 durch den Dirigenten und
Zemlinksy-Forscher Antony Beaumont herausgegebenen Nachlass des
Komponisten.
Hermine Haselböck hat mit der CD gewissermaßen eine
Marktlücke gefüllt, denn eine Aufnahme der Nachlass-Lieder ist kaum noch
erhältlich. Sie ist mit der Idee für diese CD an den "Alexander Zemlinsky Fonds"
herangetreten und dieser hat das Projekt großzügig unterstützt.
Sieben frühe Lieder
Auf der CD finden sich zu
Beginn "Sieben Lieder", die der Komponist als 18- und 19-Jähriger geschrieben
hat. Sie erinnern stark an Brahms und Schumann. Und bereits hier hat Zemlinsky
sein Gespür für Liedtexte bewiesen, indem er Autoren wie Heinrich Heine, Joseph
von Eichendorff und Hoffmann von Fallersleben gewählt hat.
Das Lied
"Waldgespräch" hat auch Schumann vertont, ein Vergleich bietet sich an. Er fällt
- der Hörer möge sich selbst überzeugen - jedoch zugunsten Schumanns aus.
Stimmige Interpretation
Besonders hervorzuheben ist
"Liebe und Leben", eine der beiden Welt-Ersteinspielungen, die auf der CD
präsentiert werden. Hermine Haselböck schafft es, den drängenden Charakter des
Liedes wiederzugeben und den dramatischen Bogen bis zum Äußersten zu
spannen.
Ganz eine andere Stimmung vermitteln die "Sechs Gesänge" nach
Texten von Maurice Maeterlinck. Sie gelten allgemein als Meisterwerke
Zemlinskys. Hermine Haselböck und dem Pianisten Florian Henschel gelingt es, die
Schwermut in "Die drei Schwestern" und "Die Mädchen mit den verbundenen Augen"
gut einzufangen.
Henschel - Haselböck: Eine musikalische Einheit
An
dieser Stelle sei besonders die einfühlsame Begleitung des Pianisten
hervorzuheben. Florian Henschel und Hermine Haselböck verschmelzen in den
Liedern zu einer musikalischen Einheit. So präsentieren sich auch die
Walzergesänge nach toskanischen Gesängen als kleine Edelsteine, die glitzern und
funkeln.
Zemlinsky in diversen Facetten
Aus den "Fünf
Liedern" aus dem Nachlass" ist vor allem das "Orientalische Sonett" mit seinen
Harfen-Klängen im Klavier hervorzuheben: Man vermeint die schwere Schwüle am
Sultanshof förmlich zu spüren und den Myrten-Duft zu riechen.
Die "Zwei
Brettl-Lieder" mit ihrem humoristisch-groteskem Charakter setzen den
kontrastreichen Schlusspunkt auf dieser Aufnahme. Auch bei diesen Liedern ist
die Freude Haselböcks an der Musik Zemlinskys deutlich spürbar: Fazit: Für
Freunde des Liedgesangs ist diese CD eine Gelegenheit, unterschiedliche Facetten
Zemlinskys kennen zu lernen.
Text: Alexandra
Faber, Ö1
Highlights (ORF - Wien, 2.4.2004)
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