BBC music magazine - September 2004:  

Originalversion in Englisch

Zemlinsky

Lieder 

Hermine Haselböck, Mezzosopran

Florian Henschel, Klavier

PAN CLASSICS 10162

52:53 Min

 

Die österreichische Mezzosopranistin gilt als so etwas wie eine Spezialistin für Lieder um die Wende zum 20. Jahrhundert. In ihrem neuen Zemlinsky-Recital findet die Bewunderung für Schoenbergs Lehrer auf allen Stationen seiner Karriere als Liedkomponist ihren Widerhall.

 

Die Gravitas in Haselböcks Mezzosopran ist stimmig mit der feierlichen Ehrerbietung an Brahms, welche in sieben von Zemlinskys frühesten Liedern einfließt (zu einer Gruppe zusammengestellt in der wichtigen Edition veröffentlicht 1995 durch Anthony Beaumont).

Und dort, wo Zemlinsky durch die Vertonung Eichendorffs „Waldgespräch“ in Schumanns Fußstapfen zu treten wagt, reagiert sie einfühlsam auf ein Szenario, welches ebenso verzaubernd ist wie Schumanns Komposition, ohne jedoch dessen Raffiniertheit im Tonfall und dessen harmonische Nuancierung zu besitzen.

 

In den Fünf Liedern 1895-96, fünf Jahre später, war Zemlinskys Umsetzung des Satzrhythmus technisch ausgereifter und gewagter. Florian Henschel genießt ganz klar die größere Herausforderung an die  Beziehung zwischen Singstimme und Klavier. In den sechs Maeterlinck Gesängen, die als Zemlinskys Meisterwerk in seinem Liedschaffen gelten, kommt er schließlich voll zur Geltung.

Und auch hier zeigt sich die Bandbreite der Imagination Haselböcks und ihre makellos verblendeten Stimmregister offenbaren sich in den befremdlichen, abgehobenen Erfahrungsmomenten des Symbolismus-Dichters.

 

Sechs entzückende Toskanische Walzergesänge und Zwei Brettl-Lieder sind Zutaten für ein ausgewogenes Maß in diesem wohlgestalteten und besonders zufrieden stellenden Recital.

 

Hilary Finch

 

Interpretation   **** (=exzellent)

Klangqualität     **** (=exzellent)